Jasmin Ramadan: Soul Kitchen

Zinos ist der Sohn griechischer Gastarbeiter in Hamburg. Die Eltern gehen zurück nach Griechenland und schenken ihm zum Abschied eine kleine Einzimmerwohnung. Zinos schmeißt die Schule, sein älterer Bruder sitzt meistens im Knast, Zinos jobbt in Restaurants, mal in der Küche, mal am Tresen, und mal ist das Restaurant ein Puff. Einmal fährt er für eine Weile zu seiner Tante auf eine kleine griechische Insel. Zwischendurch schläft er mit Frauen, mal verliebt er sich, mal verliebt sie sich, mal lebt er mit einer zusammen und weiß selbst nicht, ob er das will, und überhaupt weiß er eigentlich meistens nicht recht. Ach ja, gekifft wird auch viel, und die eine Frau nimmt alles, was an Drogen zu kriegen ist. Und das Ganze ist sozusagen die Vorgeschichte zu Fatih Akins Film „Soul Kitchen“.
Es sind nicht gerade meine Lieblingsgeschichten, die so mit der Oh-so-Coolness von Puff und Drogen und Kiez kokettieren, aber das ist nicht das Problem. Kann man ja machen, ich sehe auch ein, dass das einen Reiz hat. Das Problem ist vielmehr, dass das alles so platt erzählt ist, sprachlich geradezu schüleraufsatzhaft. Kostprobe, einfach irgendwo aufgeschlagen:

Zinos sprang die Treppen hinunter zum Hafen. Das Boot war ziemlich schmutzig. Es war mehr Betrieb als früher. Eine Menge Leute lagen am Strand, der noch weniger einladend aussah, als er es in Erinnerung hatte. Unter Inselbewohnern war es verpönt, an den Hafenstrand zu gehen, nur die Kinder machten das. Zinos begann das Boot von innen zu säubern. Sofort schwitzte er, die Sonne stand über ihm am Himmel und brannte auf seiner Haut. Er ging rüber in den Laden von Sevastiana. Sie gab ihm eine Tube Sonnencreme mit arabischer Schrift. Er versprach, abends das Geld vorbeizubringen; sie winkte ab und wollte ihm in die Wange kneifen, doch er wich gerade noch aus.

Und dann kommt irgendwann die Szene, in der Zinos mit einem Schauspieler namens Adam verwechselt wird, der in einem Film von Fatih Akin mitspielt. Und als Zinos auf Seite 166 auch noch Fatih selbst kennenlernt und in einem grässlich gewollten, anbiedernd-coolen Dialog („Ey, was geht, Digger“) mit extra dicker Meta-Witz-Soße mit ihm über den Film und den Schauspieler Adam redet, der ihm so ähnlich sieht, und darüber, dass er gern ein eigenes Restaurant hätte und es „Soul Kitchen“ nennen würde und Fatih Akin das total cool findet, also nee. Da hat’s mir gereicht, und so habe ich jetzt nur 168 von 250 Seiten gelesen und stelle das Buch ins Regal zwischen Edgar Rai und Tilman Rammstedt (1, 2, 3).
Vielleicht sollte ich mir lieber den Film mal ansehen, der soll doch gut gewesen sein.

Jasmin Ramadan: Soul Kitchen. DuMont, 272 Seiten, 8,95 €

3 Kommentare zu „Jasmin Ramadan: Soul Kitchen“

  1. britta sagt:

    Find ich auch, dass der Ausschnitt da oben platt klingt. Zu viele Hauptsätze, die lieblos aneinandergereiht sind. Der Text hat keinen Rhythmus. Wenn man ihn laut lesen würde, bliebe alles auf einem Ton. Kein Auf und Ab, keine Melodie.

  2. Christiane sagt:

    “Nur” 168 Seiten? Isa, Du hast aber einen laaaaangen und besonders elastischen Geduldsfaden …

  3. Marie-Astrid sagt:

    Mensch, Mädels, was für beschränkte Horizonte, langweilig…
    Auf und ab, gefällige Melodie? Diese Literatur will was anderes und ist viel mehr, wer da keinen Rhythmus spürt, muss ziemlich dösig und, verzeiht mir, ein wenig weltfremd sein. Platt und lieblos sind leider nur eure Kommentare. Vielleicht etwas weniger lesen und mehr leben?! Ein gut gemeinter Rat mit lieben Grüßen von
    Marie-Astrid

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