Nur noch heute, morgen, übermorgen. Herrje! Wie ging das denn jetzt wieder so schnell? Ich verbringe den Vormittag arbeitsam am Schreibtisch auf der Terrasse und versuche es zur Abwechslung damit, beruhigend auf die Möwen einzureden, statt sie anzubrüllen. Funktioniert nicht. Dann gehe ich quer durch die Stadt zur neuentdeckten Badestelle, das ist ein schöner Spaziergang von einer guten halben Stunde. Dort angekommen, frage ich zwei freundlich aussehende ältere Damen (ohne Kreuzworträtselheft), ob sie auf meine Sachen aufpassen und gehe ins Wasser und möchte am liebsten gar nicht mehr raus. Wieso tut einem das so gut, im Wasser zu sein, vor allem in natürlichem Wasser, ich liebe das so sehr. Es kommt mir vor, als wäre das Wasser im Laufe meiner Tage hier bereits wärmer geworden, es hat jetzt exakt die perfekte Temperatur. Wenn es an der Luft 30°C sind, darf das Wasser nicht allzu warm sein, sondern ungefähr haargenau so, wie es jetzt ist. Als ich aus dem Wasser komme und auf mein Handy gucke, ist da eine Mail von der Fluggesellschaft, dass ich jetzt schon online einchecken kann. Isch möschte das nisch!
Auf dem Rückweg beschließe ich, dass das Eis, das ich auf dem Hinweg gegessen habe, strenggenommen das Nachholeis von vorgestern gewesen sein muss und hole mir noch eins für heute. Regeln sind Regeln! Der Eisverkäufer bei Hajduk kennt mich jetzt.
Dann kaufe ich ein bisschen zu viel ein, schleppe alles in den fünften Stock und setze mich wieder auf die Terrasse. Heute Abend will ich mir Salat machen.
Aber erstmal sitze ich so da, still und zurückgelehnt auf meinem Stuhl, und gucke den Mauerseglern zu, und plötzlich wackelt es, und in der Wohnung klappert etwas, es ist also nicht mein Kreislauf oder eine plötzliche Gleichgewichtsstörung. Verrückt, ich glaube, mein letztes Erdbeben war in Japan, und das ist wirklich ewig her. Es war aber auch schon wieder vorbei, als ich gerade „huch, Erdbeben“ dachte.
Nur noch zwei Tage. Ich könnte gut noch bleiben.

Nacholeis von vorgestern: Schokolade-Karamell-Haselnuss
Eis von heute: Blaubeer mit Schokoglasur
Heute wäre mir fast etwas Komisches passiert. Ich bin rausgegangen, um etwas zu essen, und dachte tatsächlich: irgendwie haste heute gar keine Lust auf ein Eis. Und dann habe ich ganz hervorragende Ćevapčići im Fladenbrot aus der Kantun Paulina gegessen (wir erinnern uns: immer tun, was Alida sagt!), und eine Weile am Meer gesessen und bin noch ein bisschen herumgelaufen, wie jeden Tag, und dann hatte ich, ZACK! plötzlich doch Lust auf ein Eis. Puh, nochmal gutgegangen! Da habe ich gleich nochmal diese geile dunkle Schokolade von neulich genommen.
Ansonsten: kein Foto gemacht, keinen Roman geschrieben, keine einzige Sinfonie. Aber hey, gestern immerhin eine ganz lustige Idee für Projekt drei gehabt. Dummerweise ist Projekt drei gar nicht dran, es steht, nun ja, an dritter Stelle.
Bilanz
Hab keine Romane geschrieben;
keine einzige Sinfonie.
Mein Umsturz ist Stückwerk geblieben;
wie meine Tanztheorie.
Nicht eine Kathedrale!
Kein Dachgeschoß ausgebaut!
Und wenn ich mal male,
wird’s Mist.
Nie im Puff und keine Visionen,
kein Sieg, keine Oper, kein Mord.
Kein Starkult und keine Millionen,
kein Hit, kein Hut, kein Rekord.
Nobelpreis? Nix draus geworden.
Kein Kriegsheld, Konzernherr, null Orden.
Tor des Monats, Befreiungskampf, Geige?
Macht? Schönheit? Genie? – Fehlanzeige.
Nur dieses kleine Gedicht.
Reicht das nicht?
F. W. Bernstein

Wenn man nicht mehr Urlaub macht, sondern zum Arbeiten da ist, dann hat man nicht jeden Tag etwas zu berichten. Außer der Eissorte, versteht sich. Das Wetter ist inzwischen herrlich sommerlich, paarundzwanzig Grad, nicht zu heiß, aber verlässlich warm. Heute habe ich noch mein Jäckchen mit rausgenommen, aber das habe ich dann halt in der Hand spazierengetragen. Zu Hause sitze ich den ganzen Tag auf der Terrasse.
Und so möchte ich heute, statt etwas zu erzählen, nur eine steile Hypothese aufstellen, nämlich: An Tagen, an denen die Möwen besonders aggro sind, sind abends auch die Motorradidioten besonders aggro. Ich werde das beobachten. Eine Woche habe ich noch.

Beim Yoga bin ich übrigens im Team Mady Morrison. Und was mich immer amüsiert, ist, dass anscheinend alle Welt meint, man würde Yoga quasi zwangsläufig morgens machen. Brüller! Morgens sitze ich auf der Terrasse und trinke Kaffee. Und dann ist plötzlich Mittag. Aber alle möglichen Leute fragen mich „machst du immer noch jeden Morgen Yoga?“ Nein, habe ich nie. Aber jeden Tag. Und es ist auch immer wieder schön, wenn Mady gegen 22:00 zum Ende der Einheit sagt: „Nimm das Gefühl mit in den Tag, der dir bevorsteht.“ Nö! Ich nehme es mit ins Bett. Ich Rebellin mache auch schon mal abends Einheiten mit Titeln wie „Rise and Shine“. Dann scheine ich halt im Bett, da kenne ich nix.
Unbeaufsichtigtes Gepäckstück
Zitrone-Basilikum
Heute ist zum ersten Mal so ein richtiger Mittelmeer-Sommertag, wie man sich das vorstellt. Nicht richtig heiß, aber herrlich warm und einfach den ganzen Tag blau. Ich glaube, die Möwen brüten doch nicht auf meinem Dach. Als ich heute Morgen rauskam, waren sie nicht da, ich konnte ganz unbehelligt auf die Terrasse, auch unter dem Dach hervor. Keine Möwe, nirgends. Irgendwann kam eine, setzte sich oben auf die Satellitenschüssel und plapperte ein bisschen vor sich hin, aber kein Geschrei, keine Aggression, nichts. Ich glaube, es geht einfach darum, wer zuerst sein Handtuch hinlegt, und heute war ich das. Wenn sie nach mir kommen, ist es okay, dass ich da bin. Ich werde das weiter beobachten.
„Habe wieder begonnen, morgens nackt ein wenig zu turnen.“ Thomas Mann, Tagebuch, 20. Juli 1934
Ich bin nicht Thomas Mann, ich habe angezogen geturnt und auch nicht wirklich morgens, aber draußen, das macht mir große Freude. Gegenüber ist zwar ein Haus, aber das ist erstens ein bisschen entfernt, zweitens habe ich noch nie eine Bewegung hinter den Fenstern bemerkt, ich glaube nicht, dass irgendjemand mir zuguckt. Und wenn, dann stört es vermutlich keinen großen Geist. Der Terrassenfußboden ist uneben und hart, ich habe mir tatsächlich extra eine Reise-Yogamatte gekauft, die natürlich eher dünn ist, aber es ist trotzdem so schön, es draußen zu machen!
Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse. Blöd, wenn man beschlossen und auch noch verkündet hat, täglich zu bloggen, denn dann muss man das ja auch einhalten, auch wenn nichts passiert. Die Ankündigung mit dem täglichen Eis war schlau, weil ich mir sonst zutraue, auch mal die Wohnung gar nicht zu verlassen, und das wäre wirklich bescheuert. Aber so habe ich eine Eisverpflichtung meinen Leser:innen gegenüber und muss einmal am Tag raus, das ist gut für mich. Ich versuche außerdem, mir für jeden Tag ein paar kleine Aufgaben zu geben, das Hauptprojekt, das Nebenprojekt, ein drittes, angefragtes Ding, über das ich nochmal nachdenken muss. Lesen. Turnen (angezogen). Bisschen was recherchieren. Sonst prokrastiniere ich ganze Tage weg, da bin ich schlimm. Hier gibt es einen ganzen Artikel darüber, warum Autor:innen besonders schlimm prokrastinieren, er ist allerdings hinter einer Bezahlschranke, und ich kann ihn nicht lesen. Ich habe noch neun Tage hier, und dann muss ich mit irgendeinem Ergebnis oder zumindest einem nennenswerten Schritt nach Hause kommen. Morgen, morgen wird hier SO RICHTIG was passieren, morgen bin ich fleißig und konzentriert und werde einen kreativen Durchbruch haben, aber sowas von, ischwör!

Joghurt-Waldfrucht.
Blauer Himmel! Nachdem es gestern den ganzen Tag geschüttet hat, ist es heute wieder blau. Ich trete mit meinem ersten Kaffee auf die Terrasse und werde sofort von einer höchst ungehaltenen Möwe attackiert, die auch gleich ihre Kumpels herbeischreit. Ich glaube, sie haben ein Nest auf dem Dach, und sie sind erstens riesig, und zweitens not amused, dass ich jetzt auch hier wohne. Wenn man unter dem Vordach bleibt, sehen sie einen von oben nicht, aber sobald ich unter dem Dach hervortrete, machen sie Alarm und sind wirklich furchteinflößend. Der lustige Mann schreibt, ich soll einen Besen nehmen und ihnen zeigen, was eine Harke ist. (So hat er das in den letzten Tagen gemacht, es hat mal besser, mal schlechter funktioniert.)
Alida schreibt, die Möwenbabys sind so dumm, sie sind auch schon mal in die Wohnung gekommen. Ich habe noch kein Möwenbaby gesehen, und das ist vermutlich auch besser so. Für uns beide.
Ich arbeite an bisschen an meinem Nebenprojekt. Erwähnte ich, dass ich schlimme Angst vor dem leeren Blatt habe? Ich weiß, dass das self-fulfilling ist. Trotzdem prokrastiniere ich erstmal mit dem anderen Projekt, das übrigens ganz lustig wird, und immerhin habe ich etwas Kleines dafür fertigbekommen. Es wird aber noch ein bisschen dauern, bis ich davon erzählen kann.
Ich kurbele die Markise ein Stück raus, sie läuft ziemlich schräg nach unten, das schützt mich hinreichend vor den Killermöwen, und ich kann draußen Yoga machen.

Links liegt immer ein dickes Kreuzfahrtschiff. Jeden Tag ein anderes.

Es zieht sich doch wieder ein bisschen zu. Ich drehe ich meine Runde durch die Stadt; ein paar Schritte gehen, aufs Meer gucken, Eis essen, einkaufen, aufregender wird es auch heute nicht. Was übrigens wirklich bemerkenswert ist: es gibt immer und überall Sitzbänke, in ausreichender Menge auch für größere Touristenmassen. Und Mülleimer. Und Geldautomaten, ich glaube, es gibt ungefähr doppelt so viele Geldautomaten wie Eisdielen, und das will wirklich was heißen. An jeder Ecke eine Eisdiele, alle paar Meter ein Geldautomat. Und eine Sitzbank. Oder viele.
Als ich wieder nach Hause komme, hat das Killerkommando sich einigermaßen abgeregt, ich sitze ein bisschen draußen, koche mir ein Abendessen, und dann ist der Tag auch schon wieder rum.
Dunkle Schokolade. Fast schwarz, der Wahnsinn.