Split, Tag 8

Es war schon wieder herrliches Wetter, und wir sind mit dem Schiff in die Stadt Hvar auf der Insel Hvar gefahren. Hvar ist „die schönste Insel der Welt“, oder zumindest „das St. Tropez der Adria“. Was soll ich sagen: stimmt. Es ist sagenhaft schön, sehr herausgeputzt auch, es gibt elegante und coole Strandbars, das Städtchen ist schmuck, das Wasser glasklar, oben drüber trohnt eine Festung, unten dümpeln kleine Yachten im Hafen herum, und ich glaube, wir haben die allerbeste Jahreszeit erwischt. Warm und sonnig genug zum Baden, aber noch keine Hochsaison, es ist noch nicht so voll. Wir gehen am Meer entlang und trinken einen Kaffee in einer schicken Strandbar, dann erklimmen wir die Festung, von der aus man mal wieder einen spektakulären Blick über die nächstgelegenen Inseln hinweg hat. Blau, blau, blau, so weit das Auge reicht. Man kann einfach immer mal wieder irgendwo sitzen- oder stehenbleiben und eine Weile gucken. Sonst nichts. Und riechen, es duftet überall nach Pinien, nach Jasmin oder nach einem Baum, der laut Google Lens Chinesischer Klebsame heißt.

Wir gehen wieder runter, stromern ein wenig durch die Stadt und steigen noch auf den Uhrenturm und besichtigen das alte Theater: tatsächlich das älteste öffentliche Theater Europas, 1612 eröffnet. Verrückt! Auf so einer kleinen Insel! Ich hätte eher auf Paris oder London oder so getippt. Und was ist mit den griechischen und römischen Theatern, waren die nicht öffentlich? Hm. Und hübsch ist es! (Die jetzige Inneneinrichtung ist allerdings geringfügig jünger.)

Und dann gehen wir in die andere Richtung am Meer entlang bis zu einem kleinen Badestrand. Man gewöhnt sich an die Wassertemperatur, es ist – natürlich! – herrlich.
Irgendwie sind wir schon wieder 22.000 Schritte gelaufen, und so viel Sonne und frische Luft machen seltsamerweise müde. Zu Hause müssen wir uns richtig aufraffen, um nochmal rauszugehen und uns etwas zu essen zu suchen.

Eis: Pfefferminz mit Schokostückchen

Split, Tag 7

Kulturtag! Die Wettervorhersage hat ausnahmsweise recht: Es ist grau und ziemlich frisch, 16°C. Wir gehen schön frühstücken und dann ins Museum. Es gibt Gemälde ab dem 14. Jahrhundert, ist das nicht immer wieder irre, dass so alte Dinge immer noch da sind? Wie toll ist das bitte! Emotional erreichen Märtyrer und Heilige und halbnackte Frauen mich meist eher nicht so, aber bei den modernen Sachen sind ein paar tolle dabei. Mich beeindrucken zum Beispiel die Gastarbeiter-Zeichnungen von Dragutin Trumbetaš oder die Fotoserie „Compassion“ von Zlatko Koplja. Den „Raucher“ von Ivo Šebalj halte ich für einen Kiffer, aber hey. Toll ist er!

Wir machen kurz Mittagspäuschen zu Hause, und dann scheint, ZACK!, die Sonne und wir packen die Badesachen ein und gehen ans Meer. Dort angekommen, kommt es mir plötzlich doch wieder sehr kalt vor, aber, alte Regel: wenn man erstmal drin ist, ist es super. Ist einfach immer so. Das allwissende Internet sagt, die Wassertemperatur liege aktuell bei 17°C, ich sage zum Mann, Eisbaden sei ja auch der heiße Scheiß, und er sagt, das sei doch kein Eisbaden, also sage ich, es ist mindestens Arschkaltbaden. Quasi Einsteigereisbaden für Memmen. Danach ein zum Kleid passendes Getränk.

Am Abend gehen wir ins Ballett, „Le Corsaire“ von Adolphe Adam (das ist der, der auch Giselle komponiert hat). Es war sehr bunt und sehr voll auf der Bühne, aber ich fürchte, wir sind von Hamburg auch echt verwöhnt. Nicht, dass wir dort dauernd ins Ballett gingen, aber wenn, dann ist es halt fantastisch.

Eis: Salzkaramell mit Schokoglasur.

Split, Tag 6

Programmpunkt heute: Die Festung Klis. Eine halbe Stunde mit dem Bus in teilweise abenteuerlichen Serpentinen den Berg hoch, und dann: die Aussicht! Unfassbar. Was für ein Blick über Split hinweg, über Brač hinweg, über Hvar hinweg, und es ist auch schon wieder viel blauer als angesagt, und wärmer. Man schlendert von einer Terrasse zur anderen, von einer schönen Aussicht zur nächsten und kann überall stehenbleiben und einfach nur gucken. Man kann schon verstehen, warum Menschen sich hier angesiedelt haben, warum man hier sein möchte, warum man sich hierher sehnt. In der Festung wurde übrigens ein Teil von Game of Thrones gedreht (was ich nicht gesehen habe), das Thema ist zum Glück nicht übermäßig präsent.
Dummerweise ist vor vielleicht drei Wochen meine Sonnenbrille kaputtgegangen, die Beschichtung der Gläser hat sich aufgelöst, es war kein Durchgucken mehr. Wenn ich viel Glück hätte, hieß es beim Optiker, könnte es vielleicht noch rechtzeitig mit neuen Gläsern klappen. Kurz vor der Abreise habe ich nochmal angerufen, und die freundliche Mitarbeiterin hat extra für mich beim Hersteller der neuen Gläser nachgefragt und mir gesagt, es klappt leider gar nicht, überhaupt keine Chance. Am Nachmittag, als ich hier ankam, kam die SMS, dass die Brille fertig sei. Aber halt in Hamburg. Ich bin *so* kurz davor, mir ein schlechtsitzendes Billigding für 10,- € zu kaufen, mit dem ich weder gut sehe, noch gut aussehe. Oder so ein albernes Touristenhütchen, das mir die Augen beschattet?

Nachmittags zu Hause kurz die Füße hoch, heute Abend nochmal raus, Veggi-Burger und Pommes auf einer Bank an der Strandpromenade, dann verifizieren, was es mit der Gelateria Emiliana auf sich hat. Es ist nämlich so: es gibt hier an jeder Straßenecke eine Eisdiele. Eine Kugel Eis kostet zwischen 2,50 € und 3,50 €. Vor der Gelateria Emiliana steht, wann immer man dort vorbeikommt, eine respektable Schlange, vor den anderen nicht. Wir wollten also wissen, warum, und die Antwort ist: keine Ahnung. Das Eis kostet 3,- €, ist also im Rahmen, es ist nicht besser als anderswo, die Waffel ist sogar schlechter. Ich hatte Griechischer Joghurt-Mango-Passionsfrucht (und dass ich keine Kerne in meinem Eis mag, ist natürlich mein Privatproblem und sagt rein gar nichts über die Eisqualität).

Split, Tag 5

Nachdem wir zwei Tage hintereinander 20.000 Schritte gegangen sind, beschließen wir, es heute etwas gemütlicher angehen zu lassen. Wir frühstücken spät und ausgiebig, dann wollen wir endlich den Diokletianpalast sehen, der praktisch ein Teil der Altstadt ist und vor allem aus schmalen Gassen besteht. Wieder lassen wir uns einfach treiben, wir besichtigen nicht wirklich irgendetwas, wir informieren uns nicht weiter, wir gucken nur und finden alles toll. Nebenan ist Markt, wir kaufen ein Pfund Kirschen, vier Aprikosen und zwei Nektarinen für zusammen fünf Euro. Nachholeis von gestern: Mango.

Hier bitte Ton an! So schön.

Am Nachmittag nehmen wir den Bus zum Strand und baden. Eis für heute: Grüner Apfel (schmeckt ein bisschen nach Chemieunfall). Abends gehen wir einfach wieder in die Palastgegend und essen in einer Tourifalle mit charmantem Kellner. Auf dem Rückweg denke ich über ein drittes Eis nach, lasse es dann aber. Ich fühle mich so richtig rauskatapuliert aus dem Alltag, aus dem grauen Hamburg, gerade war doch noch Winter? Jetzt ist plötzlich Sommerferiengefühl, zwar nicht furchtbar heiß, aber warm und Meer und so viel blau und alte Steine. Und Meer, Meer, Meer. Es ist herrlich. Wir gehen etwas über 14.000 Schritte.

Ich war Schuhe shoppen. So viel besser!

Split, Tag 4

Sonntag, 10. Mai
 
Das Wetter sieht besser aus als angekündigt, es ist immerhin hellgrau und trocken, hier und da guckt sogar ein bisschen blauer Himmel raus. Wir beschließen, den Diokletianspalast auf einen Tag mit schlechterem Wetter zu schieben und heute lieber einen langen Spaziergang durch die Halbinsel Marjan zu machen. Es geht ziemlich den Berg hoch, erst durch eine sehr schöne Wohngegend, dann am verfallenen jüdischen Friedhof vorbei durch die Natur, bzw. parkähnliche Anlagen, immer weiter nach oben, immer mit Blick aufs Meer. Der Blick aufs Meer und auf die vorgelagerten Inseln ist atemberaubend, ich kann mich gar nicht sattfotografieren, und nie genügen die Bilder, in Wahrheit ist alles imposanter, blauer, schöner, herrlicher. Und die Luft so weich. Wie schön die Welt ist, und wie gefühllos die Menschen manchmal mit ihr umgehen!

Ganz oben steht noch ein ziemlicher Aussichtsturm, wir fahren mit dem Aufzug hoch, nicht ahnend, dass dort oben der Fußboden aus einem Maschengitter besteht und sich das garantiert jemand ohne Höhenangst ausgedacht haben muss. Ich jedenfalls fahre recht bald wieder runter. Und dann steigen wir auch den Berg wieder hinunter, auf der anderen Seite, Richtung Kašjuni Beach, ein Strand mit feinen Kieseln. Feiner als gestern in Brač, aber wer seine Badeschuhe vergessen hat, ist einfach blöd. Aua. Das Wasser kommt uns kälter vor als gestern, aber natürlich ist es herrlich.
Alida schreibt, wenn wir da sind und auch zu Fuß wieder zurück wollen, dann müssen wir unterwegs in der schönsten und besten Pizzeria der Welt einkehren. Und wer wären wir denn, nicht das zu tun, was Alida sagt? Wir gehen auch zu Fuß zurück, diesmal nicht über den Berg, sondern unten am Ufer entlang, was genauso herrlich ist. Wir kehren in der schönsten und besten Pizzeria der Welt ein, mit Blick aufs Meer, was sonst, und essen wunderbare Pizza. (Möglicherweise nicht gerade die kroatische Nationalspeise, aber hey.) Es ist Sonntag, es war Erstkommunion, die Restaurantterrasse ist voller entzückender kleiner Mädchen in weißen Kleidern und kleiner Jungs in weißen Hemden, die kleine Banden bilden und von hier nach dort rennen und dann wieder zurück. Unten im Hafen liegen die Yachten, über uns kreischen Möwen. Plötzlich merken wir, dass ein bisschen Wind aufkommt, und dass auf einmal gar nicht mehr viele Leute da sind, und dass die Sonnenschirme zusammengefaltet werden. Er soll ja noch gewittern, sage ich, und der lustige Mann sagt: das soll hier manchmal sehr plötzlich losgehen. Wir bezahlen zügig und haben noch eine halbe Stunde Fußweg nach Hause, wir sind pappsatt und pizzaschwer, kein Platz im Bauch für ein Eis, außerdem denken wir, dass es jeden Moment anfangen wird zu donnern. Als wir vor der Haustür sind, fallen die ersten drei Tropfen. Und dann ziemlich lange keine mehr, das Gewitter kommt erst am Abend um elf, es regnet in der Nacht noch eine Weile.

Addendum zur Eisregel: ein verpasstes Eis kann am nächsten Tag nachgeholt werden. Das Eis für den nächsten Tag wird dann natürlich neu gezählt. (Erwachsensein ist so geil! Man kann sich seine Regeln einfach selbst machen!)

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